Über die Biscaya

Wie berichtet, sind wir am Sonntag 13.03. nach tagelanger Wartezeit abends in Cherbourg gestartet. Kurz vor Ile de Quessant fiel mit dem aktuellen Wetterbericht die Entscheidung, die Biscaya zu queren und wir ließen die Insel natürlich dann an Bb. Das war gegen 20:00 am Montag und wir hatten mit viel Hack (Strom gegen Wind) zu tun.

Die französische Kütenwache fragte uns über CH16 aus: woher, wohin, wieviel Personen an Bord usw. Und dann zu allem Überfluss, da wir uns als Segler innerhalb der Küsteverkehrszone bewegten, sollten wir als Segler die Maschine abstellen. O.k. wer legt sich schon gerne mit Behörden an.

Auf der ganzen Biscaya-Querung hatten wir relativ schwachen achterlichen oder halben Wind, so daß immer die Maschine mitlaufen musste. Mitunter nerviges Geklapper, welches wir durch eine Bullentalje minimierten. Die kleine Fock brachten wir mit einem Beiholer in Position. Wir fuhren mitunter daher lieber mit teilweise gereffter Genua, deren Schoten weiter außen angeschlagen sind.

Unser 3h-Wachsystem für die Nacht (21:00 bis 24:00, 00.00 bis 03.00 und 03:00 bis 06:00) hat sich bewährt. Es kostet allerdings Überwindung und Zeit sich im  Stockdunkeln mit mehreren Lagen Wäsche und Ölzeug auszustatten und die Wache anzutreten. Nachts ist es hier noch bitterkalt. Wir wissen aber, der Wachhabende wartet schon sehnsüchtig darauf ins Warme zu kommen. 3 h Wache auf dem „Hochsitz“ genannten Außensteuerstand sind dann aber auch wirkklich genug.

Das AIS-System ist sehr hilfreich um den Schiffsverkehr zu beobachten und ggf. den Kurs bei zu geringem Abstand zu ändern. Mehrfach konnten wir beobachten, das die Berufsschifffahrt sehr fair reagiert und bereits 6-8 sm vor CPA Kursänderungen vornahm. Lediglich ein Frachter wollte partout seinen Kurs haltenund nervte mit ständigen Anrufen über CH16: ANNA deux, ANNA deux…. Ansonsten viel mitunter das Selbststeuersystem aus, was schnelles Eingreifen erfordert, damit das Boot nicht in den Wind schießt.

Nach meiner Wache am Mitwoch 16.03. von 00:00 bis 03:00 bemerkte ich im Vorraum  zu meiner Koje im Bb-Rumpf knöchelhohen Wasserstand. Mit der Dusch-Bilgepumpe konnte das Wasser entfernt werden. Aber woher kam es?Nach kurzem Aufenthalt in der Koje, habe ich über die Einstiegsluke die Achterpiek inspiziert. Oh Schreck:Wadenhoher Wasserstand. Hannes, derzeit am Ruder, wurde allamiert.

Ich zwängte mich in den Stauraum und konnte mit Hannes Hilfe alle Ausrüstung entfernen und später mit der Pütz ca. 120 l Wasser rausschöpfen. Die Ursache des Wassereinbruchs wurde gefunden: eine Undichtigkeit am Duschkopf der Süßwasser-Außendusche. Seit Cherboug war so nach und nach die Achterpiek des Bb-Rumpfes geflutet worden. Die Bilgepumpe war durch aufgeweichten Pappkarton-Reste vermutlich verstopft und konnte nicht arbeiten. Haupthahn für die Außendusche im Mittelrumpf geschlossen, alles o.k. Das Boot hielt in der Zeit gut Kurs und kein Schiffsverkehr. Zur Not hätten wir Gert aus der Freiwache geweckt.

Die Bilder sind heute während der Reinigung der Bb-Achterpiek entstanden.

Während meiner folgenden Schlafphase wurden Gert und Hannes von „Sahara-Regen“ überrascht. An Deck später alles glitschig rot.

Im Seitenrumpf fühlt man sich wie auf einem fliegenden Teppich, wird sanft gehoben und gesenkt.  Die rauhe Biscaya lässt es aber auch oft sehr ruppig zugehen.

Entsprechendem Wetterbericht hatten wir Mittwochabend mit hoher Winstärke zu tun, die sich nach und nach auf 7 Bft steigerte und für Wellenhöhen von 4-5 m sorgte. Rechtzeitig nahmen wir das Groß weg und führen nur unter Fock. ANNA II verhielt sich gutmütig und neigte nicht zum Querschlagen.

Trotzdem waren wir natürlich froh gegen 02:45 längseits in der Marina Sada festmachen zu können, zumal es am Donnerstag und auch Freitagmorgen noch dicker kommen sollte. Bei 8 Bft möchte wir lieber nicht Cap Finstere passieren.

Gestern war Ausschlafen, Landgang und Ausruhtag. Den Abend genossen wir in einem sehr guten Fischlokal.

Heute Bootssäuberung, Diesel und Wasser tanken und…. Na klar wir suchen nochmals das hervorragende Lokal auf.

Die letzten 200 sm bis Porto werden dann Samstag und Sonntag bei handigen Wetter (aber natürlich gegen) ein Klacks sein. Na mal sehen 😉

Autor: Travelling-Rainer

Begeisterter Wassersportler. Nach 30 Jahren mit SY Swantje nun demnächst mit kleiner Verdränger-MY unterwegs.

2 Kommentare zu „Über die Biscaya“

  1. Ahoi,
    liest sich eigentlich wie ein ruhiger Törn, ohne Langeweile, wo Ihr letztendlich alles im Lot haltet.
    Hoffe es bleibt so.
    Viel Segelspaß und immer ’ne Handbreit…

    Gefällt mir

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