Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.
Das hat sich wieder einmal bewahrheitet. Der Plan war am Mittwoch 15. April mit 4 Motorbooten des WVW e. V. Bremerhaven einen ca. 14-tägigen Rundtörn über Ems-Jade-Kanal und die Ostfriesischen Inseln zu starten.
Rasmus meinte es aber nicht gut mit uns und wir verschoben auf auf Freitag 17. Mai vor dem Pfingswochenende.

Dann wurde es aber eine fantastische Wattfahrt über Mittelpriel und Kaiserbalje in die Jade bis nach Wilhelmshafen. Die Seeschleuse wollte gegen 21:00 nicht mehr für uns öffnen und wir verzogen uns daher in den Nassauhafen.



Zur vorgegebenen Zeit um 09:30 schleusten wir am nächsten Tag ein und nahmen Kontakt mit der „Deichbrücke“ im Ems-Jade-Kanal auf.

Dann kam der Hammer !!!
Die Deichbrücke wird durch einen Neubau ersetzt und bis zum 16.06. sei daher auch keinerlei Einfashrt in den Kanal möglich.
Zunächst Schockstarre bei mir.
Das hatte ich/wir nicht gewusst. Auch der Hafenmeister in Wiesens (kurz vor Aurich), wo wir Plätze gebucht hatten, informierte uns nicht. Am 30. April gab es eine diesbezügliche Bekanntmachung für Seefahrer und einige Sportbootfahrer sollen fluchtartig den Kanal verlassen haben, wie man uns in Wilhelmshafen erzählte und auch dort war man sauer über die Kanalsperrung in der Saison. Das ganze hat auch laut Internet eine längere Vorgeschichte.
Insgesamt aber eine sehr unglückliche Kommunikation: Keine aktuellen sonstigen Fundstellen im Internet, bis auf die 14 Tage zurück liegende Bekanntmachung für Seefahrer.
Meine Mitfahrer der anderen Boote nahmen die Situation zum Glück gelassen und wir einigten uns rasch darauf direkt über die Jade die Ostfriesischen Inseln anzusteuern.
Samstag 16. Mai in Wilhelmshafen
Zunächst aber verlebten wir einen herrlichen Tag im Hochseeyachtclub Germania e.V.
Mittags leckere Fischbrötchen, ich habe in der Jade gebadet (15 Grad) und abends trafen wir uns in gemütlicher Runde im Vietnamesischen Lokal direkt am Steg.
Es bildete sich rasch eine gute Gemeinschaft der Tuckertourer. Ein toller Auftakt unserer Fahrt.






Sonntag 17.Mai in Horumersiel
Um 08.45 geschleust und Horumersiel angelaufen. Für die Mitfahrenden ein Erlebnis. Alle fühlten sich dort wohl im Hafen.

Pfingsmontag nach Wangerooge
Herrliches Wetter auf der Fahrt über zwei Wattenhochs nach WAngerooge.
Eine stattliche Anzahl von Seglern kam uns entgegen – morgen war schließlich wieder ein Arbeitstag.





So fanden wir im Hafen schnell gute Liegeplätze

und nutzten bereits kurz nach Ankunft die Möglichkeit mit dem Zug ins Dorf zu fahren. Hier ausgelassene Ferienstimmung.






Auch den Dienstag verbrachten wir wegen Starkwind sicherheitshalber auf Wangerooge.
Ich habe an beiden Tagen statt der Rückfahrt mit dem Zug ausgedehnte Spaziergänge zurück zum Hafen unternommen. Am ersten Tag gings immer an der Wasserkante entlang, was auch Lutz und Stella begeiserte.






Am 2. Tag wählte ich den Weg durch den Wald und entdeckte dabei einige „Traum-Zeilen“. Natürlich bin ich an beiden Tagen in meinem Lieblingslokal „Teibsand“ gewesen. Und auch ein entspanntes Nickerchen am Strand unterhalb des Cafe „Pudding“ musste sein.




An einem Abend unternahm ich mit David einen Strandspaziergang direkt am Hafen.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch, das Lutz mit seiner Angel einen großen Aal aus dem Wasser zog. Der mundete als Brataal vorzüglich, wie Lutz später zuu berichten wusste.

Ausgelassene Stimmung am letzten Abnend im Bootshaus. Richard und Gert erfreuten uns mit lustigem Gesang. Schließlich schlug die Stimmung unter der Obhut von Hafenwart Sascha und etlichen geistigen Getränken hohe Wellen und sogar das Tanzbein wurde geschwungen -animiert durch zwei netteMädels. Ein netter Abschluss.


David verwöhnte mich am nächsten Morgen mit einer riesen Portion Rührei angereichert mit ordentlich Zwiebel und Schinkenspeck. Infolgedessen stellte sich ein Brummschädel erst gar nicht ein.
Mittwoch 22.05. nach Spiekeroog
Wir starteten um 11:00 bei Niesel aber stark nachgelassenem Wind über den Wattenweg nach Spiekeroog. Klaus und Gert, die mit „Romy“ vorzeitig zurück nach Bremerhaven mussten, blieben noch auf Wangerooge.
Schon zwei Stunden später trafen wir nach knapp 20 km auf Spiekeroog ein. Der Hafen, jetzt in der Woche nur zu 1/4 gefüllt, bot uns schöne Liegeplätze an der Wattkante.

Zusammen mit David unternahm ich eine erste Inselerkundungdurch den Ort und quer über die Insel zu den Hauptstränden.



David zauberte danach einen klasse Morzarella-Basilikum-Tomatensalat.
Der Abend verging dann rasch bei ausgelassenen Gesprächen auf der Birca2 von Richard. Irgendwann verzog ich mich in die Koje, muss wohl noch länger gegangen sein…

So war ich aber fit, für doe Bootsbesatzungen vom Inselbäcker Brötchen zu holen.
Mein Vorschlag zum Campingplatz und zur blauen Lagune zu wandern, nahm Lutz gerne an. Herrlich wieder der Wegüber die Wiesen vorbei am „Bahnhof“ , der Pony-Ranchund Fort Larimi zur urigen Bude am Campingplatz. ES gibt sie noch die Naturliebhaber, die ihren Urlaub per Zelt verleben. Sogar ein Nordland Zelt alter Bauart habe ich dort entdeckt.
Ziemlich am West-Ende der Insel ein Ausguck und dort über hohe Dünen an den Strand beim Seegatt. WEiter dann an der Wasserkante zur „Blauen Lagune“ einer geschÜtzten Anker- und Trockenfall-Möglichkeit hinter einer hohen Sandbank mit Eingang dicht an einer Buhne. Die Lagune war nur von 2 Booten frequentiert. Sie ist für mich ein Sehnsuchtsort, den ich unbedingt einmal ansteuern will.
Nochmals Rast an der Strandhalle mit Backfisch, Matjes sowie Milchreis mit Kirschen.










Von Klaus und Gert haben wir die Nachricht erhalten, dass sie heute wohlbehalten in Fedderwardersiel eingetroffen sind. Prima!
Abends hatten wir für 6 Personen einen Tisch im Bahnhof Spiekeroog bestellt. Die italienisch angehauchte Speisekarte verheißt leckeres und wir wurden nicht enttäuscht.

Freitag 24.05. nach Bensersiel
Schöne Wattfahrt bei leichtem Nieselregen an Langeoog entlang zum Festlandshafen Bensersiel.

Der Ort ist touristisch voll erschlossen: Strandlandschaft Campingplatz mit Freibad, Kurhaus mit Thermalbad. Im Sommert zahlreiche Feste.
Der Yachthafen modrn und groß (190 Liegeplätze).
Bei der Ansteuerung verläuft beidseitig des beprickten Fahrwassers ein Steindamm, der bei HW nur knapp überspült wird.
Nach Ankunft hat uns Andreas der Mitfahrer bei Richard verlassen (Termine zu hause). Man merkte, es viel ihm schwer – die Gemeinsame Zeit hatte ihm wohl gut gefallen. Auch Stella, Tochter und Begleitung von Lutz machte sich auf den Heimweg. Beide wurden zusammen mit dem Pkw abgeholt.






Lecker Fischbrötchen, Kakao mit Rum an der Strandbar und abends Bratkartoffeln a la Rainer mit Stremellachs .
Bei Richard auf dem Mutterschiff Birca2 abends an Bord sind wir 4 verbliebenen alle der Meinung: So eine Geschwaderfahrt bringt Spaß.
Samstag 25.05. nach Baltrum
Dies wird der Endpunkt unser Ostfriesen-Tuckertour, schließlich wollen wir zeitgerecht am Ziel der Weser-Jade-Regatta in Hooksiel eintreffen.
David fährt jetzt auf dem größten Schiff bei Richard mit, Lutz und ich schippern allein. Beim An- und Ablegen unterstützen wir uns gegenseitig.
Baltrum – wir kommen !
Gestartet um 10:45 gleich nach der Fähre sind wir in Baltrum um 13:10 in Baltrum fest. Das Flach im Priggenweg war um 12;15 erreicht.

Auf Baltrum war Hafenfest und entsprechender Andrang im Hafen. Aber mit guter Unterstützung der Baltrumer fanden wir schließlich alle eine freie Box.
Auf einem Landgang nach Stärkung am Hafenkiosk

umrundeten wir das Dorf und sahen auch von weitem auf der Ostseite der Insel einen feinen Sandstrand. So war es nicht verwunderlich, dass wir uns abends im feinen Restaurant „Witthus“ bei leckeren Speisen alle dafür entschieden, den nächsten Tag auch auf Baltrum zu verbringen.



Es gab eine herrliche Strandwanderung, Richard kaufte sich sogar eine Badehose um mit mir in die Nordsee zu steigen. Anschließend landeten wir in einer Strandbar.



Heute abend frequentierten wir den Seehund. Ein uriges Lokal, in dem meine Ilse zu Klängen einer Musikbox eine kesse Sohle aufs Pakett legte. Die Musikbox stand damals wirklich da, wie die Wirtin bestätigte.

Wir genehmigten uns ein lecker Bauernfrühstück.
Montag 27.05. nach Langeoog
Unsere Wattfahrt nach Langeoog wurde durch die Flut stark begünstigt und wir rauschten nur so durch den Priggenweg. Lt. meinem Echolot minimale Tiefe 0,8m.
Wir wurden von einer sehr netten Hafenmeisterin empfangen, so dass es uns gar nichts ausmachte alle 3 Boote entsprechend ihrer Anweisung nochmals zu verlegen.


Mit dem Zug sind wir gegen 16:30 in den Ort gefahren. Alles sehr städtisch, Lokal an Lokal, wie viele es halt mögen. Da ziehen wir eine ruhigere Insel wie Baltrum vor.
Das Essen in einem Lokal war nicht schlecht aber im Schatten fingen wir schnell an zufrösteln. Da passte es gut, das David unbedingt das Haus und die Grabstätte von Lale Andersen sehen wollte und wir einen kräftigen Fußmarsch hinlegen durften. Es hat sich gelohnt und später auch der Blick über den Oststrand.




Ätzend war aber der Weg zurück: Am Bahnhof vorbei und dann die breite kilometerlange Trasse hin zum Yachthafen. Erinnerungen kommen hoch an meine erste Tour mit SY Condor zu den Ostfriesen. Auch damals bei hochsommerlichen Temperaturen, war es kein Vergnügen den weiten Weg ins Dorf zu laufen.
Dienstag 28.05. nach Neuharlingersiel
Prima Wattfahrt mit Sonnenschein. Alle genossen die Fahrt und im relativ kleinen Sportboothafen fanden wir alle einen Platz.
Hier kam wieder Gert, der mit Klaus vorzeitig von Wangerooge zurück nach Bremerhaven fuhr, an Bord. Marion brachte ihn per Pkw.
Im inneren Hafen sind viele Krabbenkutter beheimatet. Denen wird von Seiten der Politik das Leben auch nicht leichter gemacht.






Im ehemaligen Herrensitz der Familie von Eucken-Addenhausen, dem Sielhof, haben wir vorzüglich zu abend gespeist. Man gönnt sich ja sonst nix.


Die für Mittwoch geplante Abfahrt nach Wangerooge haben wir in Anbetracht des sehr regnerischen Wetters auf Donnerstag verschoben. Hier haben wir alle Facilities (Fischbrötchen, Bäcker…) und auf Wangerooge sind wir weit ab vom Dorf. Wir werden in einem Rutsch nach Hooksiel durchfahren und versuchen mit Start um 13:30 die letzte Schleuse um 19:00 zu erreichen. Die Tide mit auflaufend Wasser ist günstig und auch das Wetter spielt mit.
Mittwochabend haztte David eind tolle Kneipe ausfindig gemacht: das „Dattein“ eine Musikkneipe mit maritemen Ambiente. Wir waren zeitig da und konnten so einen guten Platz ergattern. Bei einigen Schlückchen Bier und dem hervorragenden Gitarristen mit Country-Musik und auch norddeutschen Songs wurde es wiederum ein feiner Abend.




Noch lange hallte uns der Refrain eines Songs im Ohr:
Watt wärn wir ohne Wattwürmer, watt wärn wir ohne Watt !
Donnerstag 30.05. nach Hooksiel
Wir konnten berets zwei Stunden nach Niedrigwasser in Neuharlingersiel um 13:30 starten. Es waren ja auch 3 Wattenhochs zu bewältigen: Spiekeroog, Wangerooge und Minsener Oog. Zwar hatten wir häufig drohende Gewitterwolken im Nacken aber der Wind kam mäßig von achtern, mitunter schien sogar die Sonne und erst in der Jade bekamen wir Regen ab.
Gert fuhr jetzt bei Richard mit (das Oldie-Team) und David kehrte zu mir auf Minerva zurück.


Wegen der mitlaufenden Tide waren wir flink und mussten wegen der Schleuse unsere Fahrt stark verzögern. Die Schleusenbesatzung gewährte uns aber um 18:00 eine Sonderschleusung und wir mussten nicht bis 19:00 warten.
Im alten Hafen von Hooksiel lagen wir wie in Abrahams Schoß.
Bei Lutz stieg hier seine Frau an Bord.


Von der Wettfahrtleitung der Weser-Jade Regatta verdichtete sich inzwischen die Auffasung, dass wegen zu starkem Wind am Sonntag bei der Rückregatta, die Regattabahn besser gänzlich auf der Weser verbleiben sollte.
Das nahmen wir zum Anlass, einen letzten gemeinsamen Abend im Restaurant „Alte Schneiderei“ bei einem Bier zu verbringen.
Und wir fassten auch den Plan Freitagmittag über die Kaiserbalje und Mittelpriel nach Bremerhafen zu laufen. Dort sollte am Samstag auf unserem Vereinsgelände das gastronomische Highlight und geselliger Abend der Weser-Jade Regatta ausgerichtet von dem Team um Isabel stattfinden.
Samstagvormittag wollten David und ich dort auf jeden Fall helfen, das Zelt sowie Grills, Getränkebar usw. aufzubauen.
Freitag 31.05. heimwärts nach Bremerhaven
Wir starteten um 14:10 um die Schleuse um 15:00 zu erreichen.
Auf der Jade war kurze Zeit Regen und eine ekelige Welle.

Aber bereits um 15:40 hatten wir die Tonne K2 in der Kaiserbalje erreicht sowie gegen 16:30 das Wattenhoch.
Unsere Fahrt fand dann einen etwas abrupten aber dennoch sicheren Abschluss.
Die Nordlicht von Lutz Finke zog sich auf der Kaiserbalje kurz vor dem Wattenhoch einen Ruderschaden zu. David und ich konnten mit Minerva die Nordlicht auf den Haken nehmen und in den Fedderwarder Priel schleppen.
Dort entschieden wir die DGzRS einzuschalten. Ein längerer Schlepp wäre mit der Minerva nicht möglich gewesen.
Wir hielten die Nordlicht gegen die Strömung ca. 30 Minuten auf der Stelle, bis uns das Boot „Emil Zimmermann“der DGzRS aus Fedderwardersiel den Havaristen abnahm und sicher in den Fischereihafen Fedderwardersiel verbrachte.






Duch unser rasches Eingreifen hatten David und ich mit Minerva verhindert, das Lutz mit seiner Nordlicht weiter aufs hohe Watt getrieben wurde.
Und es zeigt sich der Vorteil einer Geschwaderfahrt mit gegenseitiger Möglichkeit der Unterstützung.
Das so etwas auch anders ausgehen kann, zeigt ein Bericht der Station Fedderwardersiel aus Juni 2022: Motorboot nach 3 Tagen aus dem Watt gerettet.
https://www.seenotretter.de/aktuelles/seenotfaelle/motorboot-nach-drei-tagen-aus-dem-watt-befreit
Ohne Anhang konnte Minerva zur inzwischen weiter in den Mittelpriel gefahrenen Birca2 aufschließen und wir erreichten gemeinsam um 20:00 die Fischereihafen-Doppelschleuse in die wir bereits geöffnet direkt einlaufen konnten.
Über einen weiteren Zwischenfall konnte man dann nur noch staunen. Minerva musste einem weiteren Motorboot, dessen Motor sich nicht starten ließ, Schlepphilfe bis zu unserem Verein leisten.
Nun lagen Birca2 und Minerva sicher im WVW.
Die Nordlicht sicher im Fischereihafen Fedderwardersiel, die nächsten Tage weden dort zeigen, welcher Schaden dort vorliegt.
Resume
Wir hatten nach Meinung aller Teilnehmer auf der Ostfriesen-Tuckertour zusammen eine tolle Zeit.
Es würde mich daher nicht wundern, wenn ich nächstes Jahr auf die Idee komme etwas ähnliches nochmals anzubieten und dann vielleicht mit sogar noch mehr Booten ?
Vielleicht fühlt sich ja weitere Eigner unseres Vereins durch unseren Bericht animiert mitzufahren.
Travelling-Rainer
Nachtrag
Mit telefonischer Unterstützung von Klaus T. hat Lutz am 03.06. den Fehler an seiner Ruderanlage gefunden und behoben. Der Ruderarm,auf den die Hydraulik greift, hatte sich auf der Ruderwelle verdreht, so dass keine Geradeausfahrt mehr möglich war.
Die Nordlicht war somit wieder fahrtüchtig.
Ich habe Lutz am 04.06. bei der Rückkehr in den heimischen WVW e.V. an Bord unterstützt.
Wir beide freuten uns über das gute Ende.
Nachtrag
Der gesellige Abend der Weser-Jade Regatta auf unserem Vereinsgelände war ein voller Erfolg, wie nachstehende Fotos beweisen.










